Auswertung

Weggemeinschaft und Zeugnis – Auswertung der Rückläufe

 

Inhalt

  1. Zum Kontext der Befragung
  2. Verteilung der Rückläufe

     2.1. Kirchengemeinden

     2.2. Kirchenkreise

     2.3. Schule, Funktionale Dienste, Theologie, Ökumene und Einzelpersonen
3. Auswertung der Rückläufe aus den Gemeinden

     3.1. Räume der Begegnung

     3.2. Zustimmung zur Arbeitshilfe und zum Dialogansatz

                3.2.1. Zustimmung zum theologischen Ansatz

     3.3. Anfragen an die Arbeitshilfe

3.3.1  Theologische Anfragen

3.3.1. Missionsverständnis

3.3.2. Christologie

3.3.3. Wahrheitsfrage

     3.4. Anregungen und Handlungsbedarf

     3.5. Ergänzungen:

  1. Rückmeldungen aus den Kirchenkreisen

     4.1. Kirchenkreis Duisburg, Stellungnahme der Kreissynode vom Juni 2017 (131)      

     4.2. Evangelischer Kirchenkreis Düsseldorf, 14.6. 2017 (45)

     4.3. Kirchenkreis Köln Süd, 05.11.2016 (114)

     4.4. KSV Kirchenkreis Trier 07.9.2016 (41)

     4.5. Kirchenkreis Simmern-Trarbach, 12. 11.2016 (127)

     4.6. Kirchenkreis Braunfels-Wetzlar (116) vom 11.11.2016

  1. Stellungnahmen aus Funktionsbereichen
  2. Stellungnahmen aus Ökumene, Theologie und von Einzelpersonen

     6.1. Römisch-katholische Ökumene (32)

     6.2. Theologie und Einzelpersonen

            6.2.1. Prof. Dr. Henning Wrogemann, KiHo Wuppertal/ Dr. Claudia Währisch-Oblau, VEM,

              6.2.2. Weitere Stellungnahmen

  1. Fazit

 

 

  1. Zum Kontext der Befragung
    Mit der Veröffentlichung von „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ im Sommer 2015 wurde ein breiter Diskussionsprozess auf allen Ebenen der Landeskirche angestoßen. Teil dieses Prozesses war die Befragung von Gemeinden, Kirchenkreisen, Ämtern und Werken der EKiR anhand eines Fragebogens, der auf der letzten Seite der Broschüre Weggemeinschaft und Zeugnis abgedruckt war (s. Anhang). Die Rückmeldungen wurden bis Ende September 2016 erbeten. Es zeigte sich aber, dass insbesondere Kreissynoden sich erst zu einem späteren Zeitpunkt mit den Fragen befassten, so dass letzte Rückmeldungen noch bis Juli 2017 berücksichtigt wurden.

 

Die Fragen waren bewusst offengehalten und bezogen sich primär nicht auf den veröffentlichten Text, sondern auf Erfahrungen aus dem Zusammenleben mit Menschen muslimischen Glaubens. Ebenfalls wurden Anregungen, Anmeldung von Bedarfen und Beispiele gelungener Projekte erfragt.

 

Bereits kurz nach Veröffentlichung der Arbeitshilfe brach eine heftige Kontroverse über das Missionsverständnis der Arbeitshilfe – auch in Teilen der kirchlichen Öffentlichkeit – auf, die gerade in den ersten Monaten nach Erscheinen die Debatte dominierte und sich auch in den ersten Rückläufen widerspiegelte.  Das Anliegen,  etwas über die Erfahrungen im christlich-muslimischen Miteinander und Erfordernisse für die weitere Arbeit in diesem Feld zu erfahren, trat dadurch bisweilen in den Hintergrund, bildet sich aber mittlerweile bei einer Sicht auf die Gesamtheit der Rückmeldungen deutlicher ab.

 

Ein weiterer Aspekt, der bei der Abfassung der Arbeitshilfe nicht im Blick sein konnte, war die Ankunft einer hohen Zahl an Geflüchteten seit dem Sommer 2015. Diese Entwicklung führte zum einen dazu, dass sich die große Mehrheit aller Kirchengemeinden in irgendeiner Weise in der Flüchtlingsarbeit engagierte. Zum anderen wurden auch im politischen Diskurs, befeuert von rechtspopulistischen Parteien und Strömungen, die Ängste vor den mehrheitlich muslimischen Menschen zu einem Thema.  Hinzu kam, dass Konversion und Taufe muslimischer Menschen in einem bisher nicht bekannten Umfang zum Thema wurden. Sowohl die Flüchtlingsarbeit als auch die Debatte um den Islam als einer Gefahr, wie auch das Thema Taufe und Konversion finden sich in den Rückläufen in unterschiedlichen Varianten wieder. Das Thema Taufe und Konversion bringt zudem eine besondere Brisanz in die Auseinandersetzung mit dem Missionsverständnis der Arbeitshilfe. Damit sind Erfahrungen und Problemstellungen in die Rückläufe eingegangen, auf die sich die Arbeitshilfe nicht explizit bezieht. Sie bieten einen wertvollen Einblick in den Alltag, die Erfahrungen und aktuellen Diskussionen, insbesondere von Kirchengemeinden vor Ort.

 

Insgesamt erreichten die Landeskirche 150 Stellungnahmen und Rückmeldungen. Der überwiegende Teil kam von Kirchengemeinden (123), sieben von Kirchenkreisen, wenige von Einrichtungen und Arbeitsfeldern der Landeskirche (acht). Daneben gab es einige Rückläufe aus Theologie, Ökumene (sieben) und Einzelpersonen (sechs).

 

  1. Verteilung der Rückläufe

2.1.Kirchengemeinden

Insgesamt gingen 123 verwertbare Rückmeldungen aus Kirchengemeinden (von 730 in der EKiR) ein.

 

Großstadt (ab 100.000 EW): 56 (47,5 % der Rückläufe zu 32,9 % in der EKiR)

13 Duisburg, acht Wuppertal, acht Krefeld, sechs Bonn, vier Essen, fünf Köln, zwei Düsseldorf, zwei Aachen,

jeweils eine aus Koblenz, Trier, Saarbrücken. Auffällig ist die geringe Zahl der Rückmeldungen aus Städten mit hohem muslimischen Anteil, wie z.B. Köln und Düsseldorf.

 

Mittelgroße Stadt (ab 20.000 EW): 22 (18,6 %  der Rückläufe zu 14,4 % „Ballungsrandgebiete“ in der EKiR)

 

Kleinstadt (ab 5.000 EW): 21 (17,8 % der Rückläufe entspricht dem Anteil in der EKiR)

 

Landgemeinden (unter 5000 EW): 19 (16 % der Rückläufe zu 34,6 % in der EKiR)[1]

 

Bundesländer: Die weitaus größte Anzahl der Rückmeldungen kam mit 98 aus NRW (83 % der Rückläufe zu 61,8 % EKiR), 15 aus RLP (12 % ´der Rückläufe zu 24,7 % EKiR), vier aus Hessen (3,4 % der Rückläufe zu 7,1 % EKiR), eine aus dem Saarland (0,8 % der Rückläufe zu 6,4 % EKiR)

 

2.2.Kirchenkreise
sechs Kirchenkreise/ Kreissynoden mit unterschiedlich ausführlichen Rückmeldungen (von 38EKiR): Trier (41), Düsseldorf (45) Köln-Süd (114), Simmern-Trarbach (127), Duisburg (131), Braunfels/Wetzlar (116).

 

2.3. Schule, Funktionale Dienste, Theologie, Ökumene und Einzelpersonen
– Frauenfachausschuss für Frauenarbeit KK Krefeld-Viersen (56)
– zwei Rückläufe GMÖ: GMÖ-Konvent (46), Westliches Ruhrgebiet (79)
– Berufskolleg/ Schule: drei Rückläufe Köln, einer Bonn, einer Gymnasium Köln
– ein Rücklauf Seelsorge Kirchenkreis Düsseldorf (51)
– ein Rücklauf Ev. Jugend im Rheinland, Delegiertenversammlung (108)
– zwei Rückläufe Ökumene (Höbsch und Neff, röm.-kathol.), zwei freikirchlich

– neun Rückläufe von Einzelpersonen: Prof. Dr. Eibach, Dr. Währisch-Oblau/ Prof. Dr. Wrogemann, Denner, Stempfle, Gerrens,
– Lutherischer Konvent

 

Es gibt keine Rückmeldungen von Diakonischen Werken, verschiedenen Seelsorgefeldern etc.. Eigentlich fällt der gesamte Bereich der funktionalen Dienste, Ämter und Werke vollkommen aus. Vier Rückmeldungen aus Berufskollegs und eine aus einem Gymnasium sind erfreulich, aber verschwindend gering.

  1. Auswertung der Rückläufe aus den Gemeinden

Bei der Auswertung der Fragebögen wurden Erfahrungen, Arbeitsfelder und Themenbereiche identifiziert und nach Stichworten geordnet. Dies gestaltete sich unterschiedlich schwierig. Die Auswertung orientiert sich im Dienst der Lesbarkeit an diesen Themenbereichen und Fragestellungen und stellt z.B. gute und schwierige Erfahrungen und Anregungen aus einem Arbeitsbereich nicht getrennt, sondern in einem gemeinsamen Text dar.

 

Wie bereits erwähnt, spielte in der ersten Zeit nach der Veröffentlichung der Arbeitshilfe die Debatte um den Missionsbegriff eine große Rolle. So finden sich unter den Rückläufen etliche Stellungnahmen, die sich fast ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen, ohne auf die anderen Fragen einzugehen. Es ist deshalb bei manchen Rückläufen, insbesondere aus Gemeinden, nicht erkennbar, ob Kontakte zu Muslimen bestehen. Viele Rückläufe haben sich nicht an die Systematik der Fragen gehalten, sondern umfangreiche Stellungnahmen mit einer eigenen Gliederung verfasst. Hier wurden in der Auswertung Argumente identifiziert und zugeordnet und in die allgemeine Auswertung integriert. Ausdrücklich erwähnt werden soll hier, dass die Arbeitshilfe, auf die sich die Fragen z.T. beziehen, nicht überarbeitet wird. Die Landessynode 2018 wird sich mit einer Beschlussvorlage zu einer theologischen Positionsbestimmung zum Islam beschäftigen. Zum weiteren Prozess finden sich Informationen auf der Homepage:http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/aktueller-stand-des-beratungsprozesses/

 

Die zum Teil eindrucksvollen und ausführlichen Textbeiträge können hier weitgehend nur standardisiert ausgewertet werden. Sie stellen über diese Dokumentation hinaus wichtiges Material für die Weiterarbeit dar, und es sollte darüber beraten werden, wie weiter damit zu verfahren ist.

 

Die Auswertung, das sei hier ausdrücklich erwähnt, entspricht nicht den sozialwissenschaftlichen Standards und ist deshalb nicht empirisch belastbar. Sie bemüht sich um eine möglichst korrekte Wiedergabe von erkennbaren Tendenzen und Argumentationen. Wenn exemplarisch ein direkter Bezug zu einer einzelnen Aussage genommen wird, ist in Klammern die Nummer der Rückmeldung genannt, die Liste der Rückmeldungen findet sich im Anhang. Die Rückmeldung der Absender, die ihre Zustimmung zur Veröffentlichung gegeben haben, werden fortlaufend auf die Homepage eingestellt (http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/stellungnahmen/).

 

3.1. Räume der Begegnung
Keine Kontakte mit Muslimen zu haben gaben sieben Gemeinden an, 13 hatten kaum oder nur wenig Kontakt.
Kita, Kinder- und Jugendarbeit
In diesem Bereich der gemeindlichen Arbeit finden bei fast allen Rückmeldungen die meisten Kontakte statt: 42 mal wurde die Kita genannt, 23 mal Kinder- und Jugendarbeit, 5-mal die Hausaufgabenhilfe, 4-mal das Familienzentrum.

 

Kontakte sind hier selbstverständlich und werden auch in acht Rückmeldungen als eine gute Erfahrung gewertet. Hier entsteht eine Beziehung  zu muslimischen Eltern, die über den Bereich der Kita hinausgehen kann (91). Diese Kontakte werden fast von allen als positive Erfahrung genannt. Auch die Begegnung in der Kita, die Teilnahme von muslimischen Kindern an Kitagottesdiensten, das gegenseitige Kennenlernen von Festen oder ein interreligiöses Kita-Projekt (13) werden als best-practice-Beispiele angegeben.

 

Die Kinderarbeit geben neun Gemeinden als gute Erfahrung in der Begegnung mit muslimischen Kindern und ihren Eltern an, in der Jugendarbeit sind es elf. Dahinter verbergen sich unterschiedliche Projekte. Exemplarisch seien hier genannt: „Kindergruppen für Newcomer“, bei denen nichtchristliche Haupt- und Ehrenamtliche mitarbeiten und die in Kooperation mit andern Trägern angeboten werden (117), oder „Welcome Kids“ (128): Zum Gelingen scheint hier ein religions- und kultursensibler Umgang wichtig. Berichtet wird auch, dass eine offene Kinder- und Jugendarbeit, die nicht im herkömmlichen Sinn missionarisch ausgerichtet ist, sondern ihr protestantisches Bildungsverständnis in der Erziehung zu Respekt, der Anerkennung der Würde jedes einzelnen und dem Einsatz für Bildungsgerechtigkeit sieht, über die eigentliche Arbeit hinaus eine vertrauensbildende Wirkung in den Stadtteil hinein hat und zum friedlichen Miteinander beiträgt (98).

 

Acht Gemeinden nennen die Konfirmandenarbeit, hier meist im Zusammenhang mit Moscheebesuchen oder interreligiöser Projektarbeit oder auch der Einladung eines muslimischen Referenten als Anlass zur Begegnung. Dieser Bereich kommt auch bei den best-practice-Beispielen wieder vor und wird hier 6-mal genannt.

 

Schule: Ebenso wie die Kita bildet auch die Schule ein hervorstechendes Feld der Begegnung und wird in 22 Rückmeldungen genannt, noch häufiger sind es Schulgottesdienste zu verschiedenen Anlässen mit 25 Nennungen, 2-mal findet der RU Erwähnung. Als gute Erfahrung wird auch hier 14-mal der Schulgottesdienst genannt, 1-mal ein interreligiöses Schulprojekt. Hier wird z.T auf die Zusammenarbeit mit einer muslimischen Religionslehrkraft oder auch dem Imam einer Moscheegemeinde Bezug genommen.

 

Frauenarbeit: Die Begegnung von christlichen mit muslimischen Frauen mit oder ohne Anbindung an Moscheen wurde 9-mal genannt. In der Mehrzahl sind es Begegnungsangebote der Kirchengemeinden. 6-mal wird dieser Bereich als gute Erfahrung genannt, bei der Vertrauen und persönliche Beziehungen entstehen. Eine Gemeinde berichtet von einem Frauenstudientag mit muslimischer Referentin als positiv, der jedoch eine einmalige Veranstaltung war.

 

Gottesdienst und Kasualien: Hier ist die Abgrenzung nicht ganz einfach, da es sich zum Teil um die Teilnahme von muslimischen Menschen an christlichen Gottesdiensten handelt, zum Teil sind es gegenseitige Besuche im Gottesdienst oder beim Gebet, oder auch gemeinsam geplante thematische Gottesdienste (2-mal). 6-mal werden Erfahrungen mit Gottesdiensten als positiv benannt. Kasualien spielen eine vergleichsweise geringe Rolle (2-mal), dafür ist die Kirchenmusik – mal ein Ort der Begegnung, hier geht es mit Ausnahme eines großen interreligiösen Projektes meist um die Beteiligung

von muslimischen Kindern.
Der Bereich der Seelsorge wird 2-mal im Zusammenhang mit Einzelfällen genannt, das Krankenhaus ist 3-mal der Ort für seelsorgerliche Begleitung von Patienten oder Kontakt zu Mitarbeitenden.

 

Muslimische Mitarbeitende: Neun Gemeinden geben an, muslimische Mitarbeitende  zu beschäftigen, drei davon beschreiben dies als gute Erfahrung.

 

Flüchtlingsarbeit:
Die Flüchtlingsarbeit spielt bei einem Großteil der Gemeinden eine wichtige Rolle. 71-mal werden Beratungs- und Begleitungsangebote genannt, 18-mal Begegnungsangebote, 20-mal Sprachkurse. Manche Gemeinden, gerade außerhalb der Ballungszentren, scheinen hier zum ersten Mal mit muslimischen Menschen in engeren Kontakt gekommen zu sein. Neben Beratung und Begleitung sind es auch offene Angebote der Begegnung, wie Cafés oder Sprachkurse, aus denen heraus sich weitere Kontakte entwickeln. 24 Gemeinden werten die Erfahrungen aus der Beratungsarbeit als positiv, 16 die Begegnungsangebote und vier die Kontakte, die sich aus Sprachkursen ergeben haben.  Grundsätzlich kann man aber den Eindruck gewinnen, dies wird auch öfter so benannt, dass eine explizite interreligiöse Begegnung nur eine untergeordnete Rolle in diesem Arbeitsfeld spielt.

 

Weitgehend mit der Flüchtlingsarbeit verbunden und religiöse Fragen betreffend sind Taufe und Konversion zum Christentum von muslimischen Menschen in mehr oder weniger großem Umfang (vom Einzelfall bis zu 20 Personen). Sie werden von 21 Gemeinden genannt. Hier fällt auf, dass diese nur 8-mal von Großstadtgemeinden, 6-mal von Landgemeinden, 4-mal in mittelgroßen Städten und 3-mal in Kleinstädten genannt werden. Als gute Erfahrung oder best-practice – Beispiel bezeichnet dies nur eine Großstadtgemeinde, aber alle sechs Landgemeinden, alle drei Kleinstadtgemeinden und drei Gemeinden in mittelgroßen Städten.

 

Interreligiöse Aktivitäten: 25 Gemeinden geben an, Kontakte zu Moscheegemeinden und/oder Imamen zu haben. 4-mal werden Dialogkreise oder interreligiöse Arbeitskreise, 4-mal interreligiöse Gesprächsveranstaltungen genannt, 9-mal interreligiöse Friedensgebete, 5-mal gemeinsame Feste, 5-mal Einladungen zum Fastenbrechen, acht Gemeindeveranstaltungen zum Islam.

 

Bei den guten Erfahrungen stehen gemeinsame Feste oder Mitwirkungen von Muslimen bei Gemeindefesten an der Spitze (10-mal). Auch gemeinsames Essen wird 6-mal genannt. 7-mal werden interreligiöse Gebete als gutes Beispiel genannt, 6-mal interreligiöse Begegnung, 3-mal gegenseitige Gottesdienstbesuche, 5-mal Vorträge zum Islam und 7 mal theologische Dialoge. Interkulturelle Begegnungen und Aktionen nennen fünf Gemeinden. zwei Gemeinden nennen die Beteiligung bei der Planung eines Moscheeneubaus.

 

Einzelne berichten von gegenseitigen Grüßen zu den Festen, einem Besuch am Tag der Offenen Moschee oder einem Neujahrsempfang für Muslime.

 

Stadtteilarbeit: Nicht nur in Großstädten, auch in mittelgroßen oder kleineren Städten spielen kommunale Kooperationen und Aktivitäten eine Rolle:  Stadtteilfeste und interkulturelle Feste werden 6-mal genannt, 5-mal kommunale Bündnisse, 3-mal die Stadtteilarbeit.

 

Bei gemeindlicher Sozialer Arbeit und Diakonie, die 8-mal genannt werden, sind es vorrangig

(Sozial-)Beratungsangebote, in geringerem Maß auch die Pflege.

 

Neben den Kontakten in Arbeitsbereichen der Gemeinde werden auch persönliche Begegnungen genannt, wie private Kontakte (10-mal) und Kontakte in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz (15-mal), als positive Erfahrungen werden diese 6-mal (Nachbarschaft) und 4-mal (persönliche Begegnung) beschrieben. Hinzu kommen die Gemeinden, die sich in einem Stadtteil befinden, der mehrheitlich von muslimischen Menschen bewohnt ist. Hier begegnen Muslime in allen Alltagssituationen.

 

Bei der Frage nach schwierigen Erfahrungen und besorgniserregenden Phänomenen sind verschiedene Bereiche zu unterscheiden. Keine Erfahrungen dieser Art nennen 26 Gemeinden.

Nur vier der Gemeinden, die angeben, keine schwierigen Erfahrungen zu haben, gehören zu den 20 Gemeinden, die weiter vorne angaben, keine oder kaum Berührungspunkte zu Muslimen überhaupt zu haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass auch diejenigen, die kaum über Berührungspunkte verfügen, sich trotzdem bei der Nennung besorgniserregenden Phänomenen und Schwierigkeiten zum Teil ausführlich äußern.

 

In unterschiedlichen Begegnungskontexten werden Sprachbarrieren mit 12 Nennungen häufig angegeben. Gerade im Zusammenhang mit Dialogbestrebungen wird beklagt, dass wenig Interesse von Muslimen an Kontakt besteht (7), die Rahmenbedingungen an Dialog und Begegnung schwierig sind (3) oder Kontakte aus nicht bekannten Gründe plötzlich abgebrochen werden (2). Auch wechselnde Imame und damit wenig Kontinuität bei den Ansprechpartnern werden 3-mal genannt. In 4 Rückmeldungen wird der Eindruck geschildert, dass Muslime unter sich bleiben oder die Kontakt- und Dialogversuche vor Ort nicht erfolgreich waren (2-mal). Auch Missionsversuche von Muslimen werden 2-mal im Begegnungskontext genannt.

 

In diesen Kontext gehört auch die fehlende Sprachfähigkeit von Christen im Dialog.

Im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden oftmals unterschiedliche Wertvorstellungen beschrieben, die zum einen den schulischen Bereich betreffen, wie die Frage des Schwimmunterrichts, Verbote von Musik oder die Veweigerung des Handgebens von Männern gegenüber Frauen (fünf Nennungen). Auch in Kitas wird beklagt, dass Eltern die Teilnahme ihrer Kinder an Freizeiten oder anderen Aktivitäten nicht erlauben, oder auch an religiösen Aktivitäten wie Gebeten (zwei Nennungen), oder insgesamt wenig Interesse aufbringen (2-mal). In einem Fall meldeten Muslime ihre Kinder nicht mehr an, seit in der Kita ein Gottesdienst eingeführt wurde. Als Problem wird 2-mal genannt, dass (städtische) Kitas zu viel Rücksicht auf Muslime nehmen und christliche Elemente und damit die eigenen Tradition zu sehr zurückgenommen wird. Die Schulgottesdienste betreffend wird beschrieben, dass es keine nachhaltige Mitarbeit von der muslimischen Seite gab (1-mal) oder keine Imam gefunden wurde (1-mal).

 

Ebenfalls häufig wurden der Umgang mit Frauen, fehlender Respekt gegenüber Frauen und die Geschlechterrollen unter Muslimen als problematisch bezeichnet (neun Nennungen).

Als schwierige Erfahrung wurde im Kontext der Flüchtlingsarbeit 8-mal genannt, dass Nichtmuslime, wie Christen, Jeziden und auch Konvertiten in Unterkünften unter Druck gesetzt und angefeindet werden. In einer Rückmeldung wurde dezidiert von einer Christenverfolgung durch Muslime in Deutschland gesprochen.

 

Ein weiterer Problemkomplex sind bestimmte Ausrichtungen in der muslimischen Gemeinschaft: die politischen Spannungen mit DITIB und in der türkischen community werden 4-mal genannt, wie auch Moscheen, die theologisch zweifelhaft sind (1-mal), vom Staatsschutz überwacht werden (1-mal) oder als Hinterhofmoscheen undurchsichtig sind, weil keine Informationen vorliegen (1-mal)

Veränderungen im Stadtteil, z.T. mit der Entwicklung einer Gewaltszene werden zweimal genannt, vollverschleierte Frauen im Stadtbild (1-mal), orientierungslose Jugendliche, die respektlos auftreten und den Islam als Abgrenzung verwenden (3-mal) oder sich antisemitisch und fundamentalistisch äußern und die Jugendmitarbeiterin bedrohen (1-mal). Auch salafistische und islamistische Orientierung von Jugendlichen und ihren Eltern im Umfeld der Gemeinde werden 4-mal genannt. Das Entstehen von Parallelgesellschaften nennen zwei Gemeinden. Diese Phänomene gehen mit sozialen Problemen von Muslimen einher (2-mal) und der Wahrnehmung, dass sich die Politik wenig um den Stadtteil kümmert (2-mal).

 

Ein weiterer Komplex der besorgniserregenden Phänomene betrifft die Haltungen und Einstellungen bei Gemeindegliedern, wie auch von Menschen außerhalb der Gemeinde gegenüber Muslimen und geflüchteten Menschen. Religiöse und kulturelle Unkenntnis und Unsicherheit werden beschrieben (2-mal), Ängste, die nicht ausgesprochen werden (5-mal), aber auch Vorbehalte, Ablehnung und Ängste von Gemeindegliedern und auch unter Konfirmanden (12-mal). 7-mal werden rechtspopulistische Strömungen und Sympathien für die AFD innerhalb der Gemeinde genannt. Doch auch Anfeindungen von außen, insbesondere gegen das Engagement in der Flüchtlingsarbeit und aufgrund interreligiöser Aktivitäten, bis hin zu Drohungen gegen den Pfarrer werden berichtet. Einmal wurde die Befürchtung geäußert, dass die Stimmung im Ort kippen könnte und externe Unterstützung nötig

sein könnte.
Konkreten Handlungsbedarf oder die Notwendigkeit von Unterstützung sehen 17 Gemeinden nicht. Bei den übrigen Äußerungen ist ein deutlicher Bezug zu den oben genannten schwierigen Erfahrungen erkennbar.

Deutlich ist der Bedarf an mehr Wissen und mehr Informationen über den Islam, Strömungen im Islam und Gemeinsamkeiten mit dem Christentum (6-mal) aber auch über unterschiedliche muslimische Gruppierungen, Entwicklungen in der islamischen Gemeinschaft und den Umgang damit (7-mal). Hierzu gehört auch der Wunsch nach einer Kritik an der Politik der DITIB und Orientierung im Umgang mit dem Verband (2-mal).

Die Förderung von interkultureller Kompetenz wird für nötig erachtet (2-mal), der Wunsch nach Orten der Begegnung (1-mal) eine stärkere Verankerung des Dialogs auf Gemeindeeben (5-mal) und Kirchenkreisebene (1-mal) geäußert. Die hauptamtliche Unterstützung der Dialogarbeit und interkulturellen Arbeit auf Kirchenkreis- und landeskirchlicher Ebene , Schulung vom Presbyterien und ein landeskirchlicher Referentenpool, eine christlich-muslimisch besetzte Arbeitsgruppe, die Seminarreihen zum Islam für Gemeinden anbieten kann, sind weitere Unterstützungsvorschläge.

Immer wieder wird deutlich, dass sich viele Gemeinden ein stärkeres Engagement im Dialog wünschen, dafür aber deutlich mehr praktische, organisatorische und theoretische Unterstützung erbitten. Neben den oben bereits erwähnten Anregungen werden auch ganz konkret religionspädagogische Modelle angefragt (4-mal) wie auch Material für die Konfirmanden und Jugendarbeit (1-mal) Praxismodelle für Kasualien und (Schul-) Gottesdienste (4-mal), Anregungen, wie Begegnungen organisiert werden können (2-mal) oder pragmatische Beratung (1-mal). Handlungsbedarf wird bei dem Ausbau der christlichen Sprachfähigkeit gesehen (8-mal), sowie mehr Klarheit über die eigenen Identität und das eigene Profil (2-mal).

In Kitas und Schulen wird mehr praktische Unterstützung für nötig erachtet (3-mal).

Bei der Taufe und Konversion von Muslimen wird 7-mal Unterstützung erbeten, durch theologische Klärung aber auch Materialen für Taufunterricht und Glaubenskurse.

Ein weiteres Feld, in dem Handlungsbedarf gesehen wird, ist der Einsatz gegen Islamfeindlichkeit, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (9-mal).

 

Schließlich gibt es einen Bereich, in dem es stärker um soziale Belange geht, wie finanzielle Unterstützung der Gemeindearbeit für soziale Inklusion von Kindern und Jugendlichen (2-mal), den Ausbau sozialer Angebote im Stadtteil oder die soziale Unterstützung von Familien (4-mal) und die Verbindung von sozialethischen Fragen mit denen des Dialogs gefordert wird (1-mal). Auch Hilfen für den diakonischen Auftrag oder eine stärkere Zusammenarbeit in der Diakonie werden angesprochen (2-mal).

 

Anregungen für die Weiterarbeit sind zum Teil von den ermittelten Unterstützungswünschen schwer abzugrenzen und doppeln sich verschiedentlich.

Nur wenige haben keine Anregungen (3-mal) oder sehen die bisherigen Arbeitshilfen als ausreichend an.

Es wird angeregt, mehr praktische Hilfen und Beratung vor Ort für Begegnungsarbeit bereit zu stellen (12-mal). Dies soll u.a. dadurch geschehen, dass insgesamt mehr Grundlagen und konkrete Beispiele zur Verfügung gestellt werden (4-mal) und Ideen aus den Rückläufen gesammelt und veröffentlicht werden (3-mal) oder auch eine Austauschmöglichkeit im Internet geschaffen wird.

Es werden Arbeitshilfen zum Dialog, zu interreligiösen Feiern und Andachten sowie zu interreligiösen Kasualien angeregt (4-mal), aber auch für kultursensible Pflege (1-mal). Religionspädagogische Einheiten für Kitas, Konfirmandenarbeit und Schulgottesdienste finden ebenfalls Erwähnung (4-mal). Insgesamt sollen Religionslehrkräfte und Mitarbeitende in Kitas für den Umgang mit Muslimen und in der eigenen Auskunftsfähigkeit unterstützt und interkulturell geschult werden (3-mal). Die interkulturelle Öffnung soll auch für die Leitungsebene befördert werden (1-mal)

Auch hier werden wieder Informationsmaterialien für Gemeinden über den Islam und muslimische Strukturen genannt (5-mal), auch sollen die Unterschiede zwischen den Religionen benannt werden (2-mal).

5-mal werden Positionen gegen rechte Strömungen oder eine Abgrenzung zur AfD angeregt. Dabei sollen verschiedene Meinungen und Erfahrungen zu Wort kommen und Ängste ernstgenommen werden (1-mal).

Die Landeskirche soll weiter in Dialog bleiben (2-mal), das Gespräch mit den Verbänden weiter suchen (1-mal), es soll eine Einigung über gemeinsame Ziele des Dialogs erfolgen (2-mal), die Verbände sollen ihre Mitglieder an der Basis zum Dialog ermutigen (2-mal) und es gibt den Vorschlag, mit den Muslimen einen gemeinsame Dialogstrategie zu erarbeiten, an der sich Gemeinden orientieren können. Auch die Unterstützung von liberalen Muslimen wird 2-mal genannt.

 

Einige Voten beziehen sich auf gesellschaftliche und politische Fragen: Es soll ein stärkerer Blick auf die sozialen und nichtreligiösen Ursachen von Konflikten gelenkt werden (1-mal), die Kirche soll sich klar zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen positionieren (1-mal) und den Dialog über gesellschaftliche Themen initiieren (1-mal).

In Bezug auf die eigenen Gemeindeglieder soll die Sprachfähigkeit über den Glauben gestärkt werden 5-mal), hierbei sollen katechetische Hilfen zu Christologie und Trinität erstellt werden (1-mal). Ein evangelisches Profil soll entwickelt und der eigene Standpunkt selbstbewusster dargestellt werden (3-mal).

 

3.2. Zustimmung zur Arbeitshilfe und zum Dialogansatz
Unabhängig von weiterer Zustimmung oder Kritik, was den theologischen Ansatz betrifft, findet sich eine breite Zustimmung zum Dialog, zur respektvollen Begegnung auf Augenhöhe und zum friedlichen Zusammenleben (22-mal). Die Veröffentlichung wird begrüßt (9-mal), der Titel und der Dialogansatz positiv gewertet (3-mal)und die Arbeitshilfe als lesenswert, informativ und hilfreich bezeichnet (3-mal). Die Notwendigkeit des Dialogs wird 16-mal betont, dabei wird besonders dem Dialog des Lebens (10-mal) und der Konvivenz (3-mal) Gewicht gegeben, sowie einem Dialog auf Augenhöhe (4-mal). Zustimmungen fand auch das Bild der Hilfsgemeinschaft, Lerngemeinschaft und Festgemeinschaft (6-mal).

 

Zustimmung finden die Aussagen zur interkulturellen Öffnung (7-mal), die Wahrnehmung der multireligiösen und multikulturellen Realität (2-mal) und die Aussagen zum Toleranzverständnis, einem respektvollen Umgang und dem Bild der ausgestreckten Hand (13-mal). Dass Weggemeinschaft wichtig ist, wird 4-mal betont, ebenso die interkulturelle Öffnung (7-mal).

Das Beispiel aus Indonesien wird 3-mal als interessant und positiv angesehen.
3.2.1. Zustimmung zum theologischen Ansatz

Das in der Arbeitshilfe entfaltete Missionsverständnis finden 15-mal Zustimmungen. Der exegetische Ansatz und die biblische Grundlegung werden 5-mal als positiv bezeichnet, wie auch im Speziellen das Taufverständnis (1-mal) und die Christologie(1-mal). In vier Voten wird in der Arbeitshilfe eine gute theologische Grundlegung gesehen. Zugestimmt wird darin, andere Religionen als Lernchancen (2-mal) und Vielfalt als von Gott gewollt anzusehen (2-mal). Wahrheit als eine Suchbewegung zu begreifen (1-mal) und die Wertschätzung der Abrahamstradition (1-mal) werden ebenfalls zustimmend angeführt.

 

3.3. Anfragen an die Arbeitshilfe

In 11 Voten wird die Arbeitshilfe als zu schwer verständlich oder zu theoretisch (6-mal) bezeichnet.
Die Notwendigkeit von Dialog und Weggemeinschaft und Kooperation sei zu wenig begründet und eine reine Behauptung (1-mal), es fehlen konkrete Beispiele zur Weggemeinschaft (1-mal) und die Begriffe Weggemeinschaft und Zeugnis kommen in der Schrift kaum vor (1-mal). Der Dialog wird in Frage gestellt, da es nicht hilft, mit Muslimen über religiöse Fragen zu reden (1-mal) und mehr Realismus wird gefordert (1-mal), auch ist die Dialogfähigkeit der Muslime nicht geklärt (1-mal). Insgesamt nehmen Christen sich zu sehr zurück (4-mal). Zudem sei der Dialog in der Arbeitshilfe vorwiegend politisch und gesellschaftlich begründet und nicht theologisch 1-mal. Beim Begriff der Konvivenz sei nicht deutlich, wie sich unterschiedliche Lebensformen zueinander verhalten (1-mal), und es fehlt eine Forderung an die Muslime, Rücksicht auf das Christentum und hier geltende gesellschaftliche Normen zu nehmen (1-mal) sowie die Religionsfreiheit und die Menschenrechte zu achten (1-mal). Es sei nötig, Unterschiede klarer zu benennen, auch weil Muslime sonst vereinnahmt werden (1-mal). Auch fehlt die Erwähnung von Christenverfolgung in muslimischen Ländern (1-mal).  Grundsätzliche Kritik findet sich in folgenden Begriffen: theologisch fragwürdig, oberflächlich und methodisch unsauber (2-mal), devote Theologie, Anbiederung an und Unterwerfung unter den Islam (1-mal), weichgespülte Theologie, Kuscheldialog (2-mal). So fehlt eine klar formulierte evangelische Position und Klarheit in der Verkündigung (2-mal). Auch wird die Abrahamstradition als nicht tragfähig angesehen (2-mal).

Abgelehnt wird eine Parallelisierung des christlich-jüdischen mit dem christlich-muslimischen Verhältnis (2-mal).

Bei den praktischen Beispielen werden gemeinsame Schulgottesdienste in Frage gestellt (5-mal), oder sie sollten höchstens eine Ausnahme sein. Das Beispiel aus Indonesien wird als weit hergeholt und nicht hilfreich angesehen (6-mal), und das Leiden der Christen dort wird negiert (1-mal).

 

3.3. Theologische Anfragen

3.3.1. Missionsverständnis:

Kritik am Missionsverständnis der Arbeitshilfe wird insgesamt 27-mal geäußert und unterschiedlich begründet: Mission, auch Missio Dei,  beinhaltet Evangelisation und persönliche Bekehrung (4-mal), das Konzept steht im Widerspruch zu “Missionarisch Volkskirche sein“ (10-mal), Dialog und Mission gehören zusammen (4-mal). Das Verhältnis von Missio Dei und Missionsbefehl muss präziser geklärt werden (1-mal). Andere finden das Konzept der Mission Dei veraltet (3-mal). Mission gefährdet nicht den gesellschaftlichen Frieden (1-mal), vielmehr gehören Mission und Dialog zusammen (4-mal). Die Ablehnung einer strategischen Islammission steht im Widerspruch zur Kirchenordnung (1-mal) Es fehlt eine klare Aussage zum Zeugnis ablegen (1-mal), es gibt zudem kein Zeugnis ohne Worte (1-mal), und insgesamt ist der Zeugnisbegriff zu wenig gefüllt (1-mal).

 

Betont wird in fünf Voten ein Widerspruch zur Barmer Theologischen Erklärung und es wird der Bezug  auf die Bekenntnisschriften vermisst (1-mal). Zustimmung zum Thesenpapier von Prof. Dr. Henning Wrogemann und Dr. Claudia Währisch-Oblau[1] wird in 12 Voten geäußert, zum Teil verbunden mit der Bitte, die Arbeitshilfe auf dieser Grundlage zu überarbeiten. 2-mal wird auf die Veröffentlichung „Zeigen was ich liebe“ Bezug genommen, wie auch grundsätzlich gefordert wird, die VEM und den GMD einzubeziehen.

3.3.2. Christologie

Ein weiteres Feld der Kritik bezieht sich auf die Christologie (7-mal). Diese wird als unklar oder relativiert bezeichnet (2-mal), und es wird betont, dass man zu Gott nur durch Jesus Christus kommt (4-mal). Vielmehr ist das Bekenntnis zu Jesus Christus kein Hindernis für den Dialog (1-mal), und es fehlt in der Arbeitshilfe zugunsten des gesellschaftlichen Auftrags (1-mal).

 

3.3.3. Wahrheitsfrage

Dem Umgang mit der Wahrheitsfrage stehen zehn Voten ablehnend gegenüber. Der Gott der Christen und der Muslimen ist nicht einer (6-mal) und der Koran ist keine heilige Schrift (4-mal), Kritik am Koran muss erlaubt sein (1-mal). Es wird ein willkürlicher Umgang mit der Bibel festgestellt (9), die Auslegung von Mt 28 überzeugt nicht und die Hermeneutik ist ungeklärt (1-mal). Vielmehr findet sich

eine einseitige ethische Auslegung der Bibel (6-mal).
3.4. Anregungen und Handlungsbedarf

Aus der Kritik am theologischen Ansatz der Arbeitshilfe werden auch verschiedene Punkte bei den Anregungen für die Weiterarbeit formuliert. Hierzu gehören die Berücksichtigung des Papiers von Prof. Dr. Wrogemann/ Dr. Währisch- Oblau (2-mal), der Wunsch nach einer besseren Fundierung der Theologie (1-mal), dem Verständnis von  Mission als Zeugnis ablegen (1-mal), aktive Mission (3-mal), die Berücksichtigung der Ergebnisse der ökumenischen Visite (1-mal) und insgesamt eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Mission (1-mal).

 

3.5. Ergänzungen:

Hier werden vor allem folgende Punkte genannt: Die theologische Grundlagen sollen stärker fundiert werden, die Christologie soll stärker gemacht (2-mal) und in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis zu Wahrheitsansprüchen stärker herausgearbeitet werden. Dabei soll vor allem Jesus Christus als Maßstab deutlicher werden (1-mal). Die Argumente um das Taufverständnis sollen nachgebessert werden. Mission und Zeugnis sollen positiv gefüllt werden, und es soll werbend für den eigenen Glauben eingetreten werden.  Es soll ein differenzierteres Islambild ergänzt werden und die Fragen der Konversion sollen stärker theologisch diskutiert werden statt politisch (2-mal). Auch die Situation von christlichen Minderheiten in muslimischen Ländern soll Beachtung finden (3-mal).

 

Gegenüber den Muslimen sollen Grenzen der Toleranz benannt werden und als Voraussetzung des Dialogs die Achtung von Religionsfreiheit, Grundgesetz und Menschenrechten (1-mal).

Ergänzt werden sollte auch ein Hinweis auf die gemeinhin verzerrte Darstellung des Islam und auf den sozialdiakonischen und gesellschaftspolitischen Sinn des Dialogs (1-mal). Gelungene Beispiele des Dialogs aufzuzeigen, wäre hilfreich (3-mal). Schließlich sollte als Ergänzung die Formulierung einer gemeinsamen Hoffnung (entsprechend des Synodalbeschlusses Christen –Juden) auf einen neuen Himmel und eine neue Erde bedacht werden (1-mal).

 

In einer Rückmeldung (99) wird –bereits ausformuliert- ein ganzes neues Kapitel zum Dialog über wirtschaftliche Verantwortung als Ergänzung vorgeschlagen.

4. Rückmeldungen aus den Kirchenkreisen

Vielfach haben sich Kirchenkreise auf ihren Kreissynoden und/oder Pfarrkonventen mit der Thematik befasst. Eigene Stellungnahmen  haben die Landeskirche aus sieben Kirchenkreisen erreicht: Trier (41), Düsseldorf (45), Köln-Süd (114), Simmern-Trarbach(127), Duisburg (131), Braunfels/ Wetzlar (116).
4.1. Kirchenkreis Duisburg, Stellungnahme der Kreissynode vom Juni 2017[2]

Die Stellungnahme des Kirchenkreises Duisburg hat den Charakter einer Kirchenkreiskonzeption für das christlich-muslimische Zusammenleben. Sie gibt viele Anregungen und enthält weiterführende Beschreibung einer multireligiösen und multikulturellen Stadtgesellschaft, weshalb sie an dieser Stelle ausführlich dargestellt werden soll:

 

Rückblickend auf 40-jährige Erfahrungen des Zusammenlebens und des Dialogs in Duisburg  wird von Erfolgen wie auch Rückschlägen berichtet und von dem immer wieder neu ansetzenden Engagement vieler Menschen. In der Stellungnahme wird explizit der Schwerpunkt auf das religiöse Zusammenleben gelegt, auch wenn dies immer wieder in den Kontext gesellschaftlicher Rahmenbedingungen eingebettet wird.

 

Die Stellungnahme beginnt mit dem Blick auf eine wachsende, nicht nur religiöse Vielfalt. Exemplarisch zeigt sich dies schon an der Spannbreite, die muslimische Schülerinnen und Schüler aufweisen. Thematisiert wird, dass mit der Konstruktion der Muslime als „die Anderen“ Ausgrenzungserfahrungen, gerade bei der jungen Generation erzeugt werden, die oftmals mit einem Rekurs auf den Islam ihre Identität in Abgrenzung zum Deutschsein definiert. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass auch evangelische Christen in manchen Stadtteilen die Situation erleben, eine zum Teil nicht respektierte Minderheit zu sein.

 

Durch diese sehr unterschiedlichen Ausgrenzungserfahrungen entsteht ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial, das nicht durch theologische Dialoge gelöst werden kann. Hier wendet sich die Stellungnahme klar gegen alle nationalistischen, antiliberalen und gewalttätigen Entwicklungen.

Im Bereich von Dialog und Zusammenarbeit betont die Stellungnahme neben dem Engagement vieler Menschen die Bedeutung von struktureller Zuverlässigkeit, konkret eine entsprechende personelle und strukturelle Verankerung, um Gemeinden und Einrichtungen zu unterstützen. Zudem regt sie die Ernennung von Dialogbeauftragten in den Kirchengemeinden an.

 

Da es im Dialog nötig ist, immer wieder einen Anfang miteinander zu machen, wird in gegenseitigen Einladungen und Grüßen eine besondere Bedeutung gesehen. Daraus entwickeln sich Begegnungen, Interesse aneinander und Kooperationen in vielfacher Hinsicht. Kirchengemeinden tragen dem in unterschiedlicher Weise Rechnung. Evangelisches Profil bedeutet, andere Religionen nicht auszugrenzen. Das Spannungsverhältnis von Verkündigung und Dienst muss allerdings bewusst sein und theologisch bearbeitet werden. Auch bei Amtshandlungen für Menschen unterschiedlicher Religionen ist nach entsprechenden Formen zu suchen.

Die Stellungnahme verweist auf Erfahrungen der Zusammenarbeit, die als Beispiel gelungener Integration gewertet werden. Hier werden interreligiöse Schulfeiern, Friedensgebete von Juden, Christen und Muslimen, die „Nacht der offenen Gotteshäuser“ und interreligiöse Kasualien genannt. Gerade letzteres erfordert Abstimmung im Kirchenkreis als auch von Seiten der Landeskirche eine Klärung der liturgischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. In der Seelsorge wird die Ausbildung muslimischer Notfallbegleiter genannt, wie auch Seelsorge an Krankenhäusern, die sich in dem Bestreben zeigt, Gebetsräume einzurichten und interreligiösen Beistand im Rahmen der Krankenhausseelsorge zu geben.

Gerade in den Bereichen der Kooperation zeigen sich die unterschiedlichen Organisationsweisen christlichen und muslimischen (Gemeinde-) Lebens, die besser kommuniziert werden müssen, um Verlässlichkeit und Transparenz herzustellen. Auch wenn die Kooperation bisher stark von türkischen Verbandsmoscheen geprägt war, so ist die Vielfalt von Moscheevereinen aus anderen Herkunftsländern oder auch durch deutsche Vereine gewachsen.

 

In einer abschließenden Schlussfolgerung plädiert die Stellungnahme dafür, den Islam in seiner Vielfalt wahrzunehmen. Zu allen muslimischen Strömungen werden gute Beziehungen angestrebt. Ausgeschlossen wird allerdings eine Zusammenarbeit mit Strömungen, die sich antisemitisch oder nationalistisch positionieren. Lebenspraktische Gemeinsamkeiten sollen gestärkt und theologische Unterschiede vermittelt werden. Das Zusammenleben in Stadtteilen, in denen evangelische Christen in der Minderheit sind, fordert den Einsatz für Religionsfreiheit, Respekt und Toleranz für alle und gegen religiöse Beleidigungen und Intoleranz.

 

Die Vielfalt zeigt sich auch unter den evangelischen Gemeinden, die sich mit ihren unterschiedlichen Traditionen in das Zusammenleben einbringen. Dabei sollen sich die Gemeindeglieder in der Arbeit wiederfinden. Die zunehmend sichtbare Arbeit muslimischer Gemeinden in der Gesellschaft bedarf rechtlicher Gestaltung.

 

Schließlich werden Erwartungen an die Landeskirche und die Dialogarbeit formuliert. Von der Landeskirche wird erwartet, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen evangelischen Christen und Muslimen deutlich zu formulieren, einen Konsultationsprozess zu Kasualien und Amtshandlungen mit christlichen und muslimischen Beteiligten zu initiieren, die Frage der Konversion mit den muslimischen Partnern offen und realistisch zu diskutieren. Im Dialog soll sich mit Fragen des Antisemitismus, einem autoritären Religionsverständnis und religiös begründeten Geschlechterrollen auseinandergesetzt werden. Finanzielle und personelle Ressourcen für Gemeinden in der Großstadtdiaspora sollen bereitgestellt werden, um Strukturen und Zusammenarbeit in den betroffenen Stadtteilen zu stärken.

 

4.2. Evangelischer Kirchenkreis Düsseldorf, 14.6. 2017 (45)

Die Rückmeldung des Kirchenkreises Düsseldorf orientiert sich an der Struktur des Fragebogens und benennt weitgehend Erfahrungen und Überlegungen, die sich auch in den Rückmeldungen aus den Gemeinden wiederfinden. Die Kritik zielt u.a. auf die Art und Weise, wie über den Islam gesprochen wird. Hier werden Orientalismus und Klischees vermutet, was u.a. am Titelbild festgemacht wird, da hier der Islam als eine Wüstenreligion dargestellt werde. Über den Islam werde in paternalistischer Weise gesprochen. Eine neue, informierte Wahrnehmung wird gefordert. Klärungsbedarf besteht beim Dialogbegriff, insbesondere im Verhältnis zur Mission, vermisst wird die Christologie, dafür werden eine falsch verstandene political correctness und ein falscher Pazifismus ausgemacht. Als eine strategisch zu organisierende Aufgabe wird die Befähigung zur Sprachfähigkeit im Dialog formuliert.

 

4.3. Kirchenkreis Köln Süd, 05.11.2016 (114)

Es gab zwei Rückmeldungen des Kirchenkreises Köln-Süd. Zunächst wurde eine Zusammenstellung der Rückmeldungen aus den Gemeinden gesammelt an die Landeskirche weitergegeben (84). Diese sind schon an anderem Ort in die Auswertung eingegangen. An gesonderter Stelle wird die Rückmeldung aus den Berufskollegs noch dokumentiert (s. unter 8.).

 

Darüber hinaus befasste sich die Kreissynode mit dem Thema und fasste dazu einen Beschluss:

„Die Kreissynode Köln-Süd begrüßt, dass die Landeskirche das Thema „Islam aus christlicher Perspektive“ zu einem wichtigen kirchlichen Diskursthema erhoben hat. Sie hält den Titel  „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ für gelungen, weil darin einerseits das gemeinsame Beschreiten eines  Weges des Dialoges angezeigt wird und andererseits die Perspektive des Zeugnisgebens im Blick ist.

Sie empfiehlt die Stellungnahmen der Gemeinden bei den weiteren Beratungen in der Landeskirche gebührend zu berücksichtigen.

Sie begrüßt den Dialogansatz der Arbeitshilfe ausdrücklich und empfiehlt, für die Weiterarbeit gelingende Beispiele des Dialoges mit Muslimen aus dem rheinischen Kontext zusammen zu stellen, Schwierigkeiten im konkreten Zusammenleben mit Muslimen zu benennen. Sie hält die Arbeitshilfe allerdings für theologisch und christologisch nicht ausreichend und erwartet deshalb, dass der christliche Missionsbegriff auf der Grundlage der Leitvorstellung „Missionarisch Volkskirche sein“ präzisiert und für eine künftige evangelische Positionierung zum Thema theologisch substantieller, insbesondere in Bezug auf die Christologie, Soteriologie und Sakramentstheologie argumentiert wird.“

 

4.4. KSV Kirchenkreis Trier 07.9.2016 (41)

Neben eher allgemeinen Angaben wird auf eine versteckte Muslimfeindlichkeit in Gemeinden verwiesen, die mangelnden Respekt aber auch Unwissenheit zeigt. Des Weiteren werden die theologischen Passagen der Arbeitshilfe als unpräzise beschrieben und eine Überarbeitung für nötig erachtet.

 

4.5. Kirchenkreis Simmern-Trarbach, 12. 11.2016 (127)

Grundsätzlich wird die Erarbeitung der Arbeitshilfe begrüßt und als notwendig angesehen, auch die darin zum Ausdruck kommende Haltung des Dialogs auf Augenhöhe in gegenseitigem Respekt wird geteilt wie auch die Einsicht, dass der Dialog zu größerer Klarheit über den eigenen Glauben, die christliche Existenz und die christliche Wahrheit verhelfen kann.

Das Bemühen um Harmonie und Vermeidung von Konfrontation hat dazu geführt, dass Aussagen zu wenig pointiert sind. So sind vor allem die Gemeinsamkeiten herausgestellt worden, während Unterschiede nicht deutlich genug benannt wurden. Deutlicher sollte werden, dass Christen und Muslime unterschiedlich an Gott glauben. Dies zeigt sich vor allem in einem unterschiedlichen Offenbarungsverständnis und dem Verhältnis von Staat und Kirche/ Religion. Auch die Abgrenzung zu fundamentalistischen Strömungen sollte deutlicher gemacht werden. Die Sprache sollte einfacher sein, um zur Auseinandersetzung zu ermutigen.

Die Aussagen zur Mission werden in vielen Punkten als hilfreich erachtet, es sollte jedoch klarer gesagt werden, dass es nicht nur um eine Ablehnung strategischer Mission geht, sondern grundsätzlich darum, den Glauben des Gesprächspartners zu respektieren. Neben die Missio Dei sollten Auftrag und Sendung des Menschen gestellt werden, die in Worten und Taten zum Ausdruck kommen sollen. Sie ist nicht auf Taten zu reduzieren, so wird das Licht des Christentums „unter den Scheffel gestellt“. Christen müssen sprachfähig im Dialog mit Muslimen sein, dies gilt es zu fördern. Schließlich wären einige konkrete Beispiele für gelungene Dialoge hilfreich gewesen. Hier wird auch auf mögliche Ergebnisse der Umfrage verwiesen.

 

4.6. Kirchenkreise Braunfels-Wetzlar (116) vom 11.11.2016

Die gemeinsame Stellungnahme der Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar besteht in der Feststellung, dass die Veröffentlichung „Weggemeinschaft und Zeugnis in der Begegnung mit Muslimen“ in den Kirchenkreisen höchst umstritten sei. Zur Verdeutlichung werden drei unterschiedliche Stellungnahmen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Kirchenkreise, von denen sich zwei positiv zur Arbeitshilfe verhalten und eine extrem kritisch, der Stellungnahme beigefügt (christlich-jüdisches Gespräch, christlich-muslimisches Gespräch, Arbeitskreis missionarischer Gemeindeaufbau). Es wird dringend darum gebeten, die Positionen von Prof. Dr. Henning Wrogemann und Dr. Claudia Währisch-Oblau in den landeskirchlichen Beratungsprozess einzubeziehen.

 

Aus der Perspektive des christlich-jüdischen Gesprächs wird   besonders die abrahamische Tradition als Basis dafür, wie Christen, Juden und Muslime gemeinsam und doch verschieden dem einen Gott dienen, betont. Angeführt werden zahlreiche Beispiele gelungener Kooperation und Begegnung. Zugestimmt wird auch der Auslegung von Mt 28. In Thesen für ein tolerantes Zusammenleben von Christen und Muslimen  wird vor allem auf den gemeinsamen biblischen Traditionsbestand , die gemeinsame ethische Wertschätzung der prophetischen und ethischen Traditionen und der Notwendigkeit, fundamentalistischen exklusiven Heilsansprüchen auf allen Seiten mit den Friedenstraditionen in den eigenen Quellentexten und Traditionskritik zu begegnen, verwiesen.

Eine Stellungnahme aus dem christlich-muslimischen Gesprächskontext bezieht sich vor allem auf den biblisch-theologischen Ansatz der Arbeitshilfe.Sie sieht im Ansatz der Arbeitshilfe keine Relativierung der Christologie , sondern eine Orientierung an Jesu Reden und Handeln als Maßstab für die Begegnung. Siefolgt auch der Argumentation zum sog. Taufbefehl, was nicht die Möglichkeit eines Religionswechsels in Frage stellt. Im Ansatz der Arbeitshilfe, das Verhältnis von Juden, Christen und Muslimen als biblische Familiengeschichte zu werten, sieht diese Stellungnahme den Grundsatz der Religionsfreiheit angelegt. Solch ein Verständnis der Arbeitshilfe ist für ihn keine grundsätzlich religionspluralistische Orientierung, wie von Prof. Dr. Wrogemann/ Dr. Währisch-Oblau behauptet wird.

 

Eine entgegengesetzte Position nimmt die Stellungnahme des AMG (Arbeitskreis missionarischer Gemeindeaufbau) Wetzlar-Braunfels ein.

Positive Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit finden sich in fast allen Kirchengemeinden, die sich aufgrund des Gebotes der Nächstenliebe für Flüchtlinge engagieren. Dieses Engagement steht einem eindeutigen Christuszeugnis allerdings nicht entgegen.

Betont wird die Bedeutung der Bibel nicht als Sammlung von Traditionen, sondern als das Wort Gottes. Zwar wird im Abrahamsbund der universale Heilwille Gottes erkannt, doch es wird betont, dass die Menschheit durch den Sündenfall die Fähigkeit der Gotteserkenntnis verloren hat und deshalb erlösungsbedürftig ist. Alle Religionen sind der vergebliche menschliche Versuch, Gott nahe zu kommen. Gott offenbart sich selbst in Jesus Christus. Außerhalb dieser Offenbarung gibt es kein Heil. Abgelehnt wird die These von den abrahamitischen Religionen, denn heilsbedeutend ist allein der Bunde mit Isaak. Die Glaubensbindung allein an Jesus Christus schenkt Menschen aus den Völkern Anteil am Segen Abrahams, daraus erfolgt der Auftrag zur Mission (Mt 28), gerichtet an alle Menschen. Abgelehnt wird ein einseitiges, negatives Verständnis von Mission, es wird vielmehr betont, dass Dialog nicht Mission ersetzen kann. Evangelisation und Mission sind unverzichtbare Wesensäußerungen des christlichen Glaubens.

 

  1. Stellungnahmen aus Funktionsbereichen

5.1.Dienstgespräch der Pfarrer/innen im Funktionalen Seelsorgedienst, Kirchenkreis Düsseldorf

Grundsätzlich wird hervorgehoben, dass es in den funktionalen Diensten deutlich mehr Berührungspunkte mit Muslimen gibt, als in Kirchengemeinden, vor allem in Krankenhäusern.

Aus der JVA wird berichtet, dass es unter den Insassen sehr unterschiedliche Muslime gibt, salafistische Einstellungen jedoch sehr verbreitet sind. Auch einige Christen wollen zum Islam konvertieren. Den Radikalisierungstendenzen soll mit Präventionsarbeit durch ehrenamtlich tätige Muslime begegnet werden, ein regelmäßiges Freitagsgebet ist geplant. Die seelsorgerliche Schweigepflicht gilt nur für die christlichen Seelsorger.

 

In der Notfallseelsorge sind bisher keine muslimischen Notfallbegleiter tätig, das erfordert unter den christlichen Seelsorgern entsprechende interreligiöse und interkulturelle Kompetenzen.

 

In der Krankenhausseelsorge findet der Kontakt mit Muslimen fast täglich statt, sei es als Patienten oder unter den Mitarbeitenden. Neben praktischen Schwierigkeiten wie Sprachproblemen sind es auch ethische Fragestellungen, die sich aufgrund unterschiedlicher religiöser und kultureller Konzepte oft anders darstellen.  Es gibt die Versuche, sensibel mit den Unterscheiden umzugehen, allerdings keine institutionalisierte muslimische Begleitung. In der Krankenhaussituation treffen diese Unterschiede oft noch in einer Krisensituation unvermittelt aufeinander, es gibt keinen „Schutzraum“, so wird in der Stellungnahme formuliert. Umso größer ist das Bedürfnis nach Orientierung und Begleitung bei allen Beteiligten. Andererseits ist auch die Ablehnung von Religion größer geworden.

 

5.2. Frauenfachausschuss KK Krefeld-Viersen

Seit 2003 unterstützt der Fachausschuss das Engagement der Frauenreferentin in der Durchführung eines christlich-muslimischen Frauenfrühstücks. Erfahrungen aus diesem Arbeitsfeld fließen in die Frauenarbeit des Kirchenkreises ein. Sie werden als bereichernd erlebt und haben die Sprachfähigkeit der christlichen Frauen befördert.

In anderen Arbeitsfeldern, wie z.B. den Kitas, sind ein Bewusstsein und eine Sensibilität für das Zusammenleben mit muslimischen Kindern und ihren Eltern ein selbstverständliches und wichtiges Thema. Auch die Berufsschule ist ein Arbeitsfeld der selbstverständlichen interreligiösen Begegnung, die von gegenseitigem Interesse und Respekt getragen wird.

Durch die Zuwanderung von muslimischen Flüchtlingen wird deutlich, dass mit dem Thema Religionswechsel sensibel umzugehen ist. Muslime, die zum Christentum konvertieren, sehen sich Angriffen z.B. von muslimischen Mitbewohnern in den Unterkünften ausgesetzt. Gleichzeitig bringen sie auf Grund ihrer Erfahrungen ein Bild vom Islam als gewalttätig und aggressiv mit, das dem nicht entspricht, wie Muslime in Deutschland ihren Glauben leben. Hier sind die Kontexte zu unterscheiden. Für das Gespräch mit muslimischen Menschen in Deutschland bietet die Arbeitshilfe gute Anregungen.

 

5.3. Berufskollegs und Schule

Es gingen drei Rückläufe von Berufsschulpfarrer/innen aus Köln (84-9, 84-11, 84-13) ein, eine aus Bonn (98-1), sowie die Rückmeldung einer Schulpfarrerin an einem Gymnasium in Köln (84-10).

Die dort geschilderten Erfahrungen und Einschätzungen werden im Folgenden gemeinsam behandelt:

Grundsätzlich haben alle Berufsschulpfarrer/innen in ihrem Religionsunterricht muslimische Schülerinnen und Schüler, manchmal bis zu einem Prozentsatz um 50%. Abmeldungen gibt es so gut wie nie. Hier zeichnet sich die religiöse Pluralität der Gesellschaft deutlich ab. Als durchweg positiv wird so die Möglichkeit des interreligiösen Lernens beschrieben, u.a. auch deshalb, weil die explizite Religiosität vieler muslimischer Schülerinnen und Schüler auch die christlichen oder explizit atheistischen Teilnehmer zu einer Positionierung herausfordert. Dies wird von manchen mit Einschränkung so gesehen, weil auch ein großer Mangel an religiösem Wissen und geringer Anbindung an Glaubensgemeinschaften bei muslimischen Schülerinnen und Schülern zunehmend wahrnehmbar wird. So schätzen Schülerinnen und Schüler Unterrichtsstunden, in denen die eigene Religion thematisiert wird, außerschulische Lernorte wie Kirche und Moschee und aktuell die Unterscheidung von Islam und Islamismus.

Als besorgniserregende Phänomene werden ein zunehmend arroganter Umgang mit Frauen, Ausgrenzung von muslimischen Frauen ohne Kopftuch, wenig Dialogbereitschaft, eine Herabwürdigung des Christentums, Antisemitismus und Verschwörungstheorien oder auch offene oder versteckte Sympathie mit den Taten des IS oder salafistischer Strömungen beschrieben. Ein grundlegender Traditionsabbruch ist auch bei muslimischen Schülerinnen und Schülern in einem hohen Maße feststellbar, zudem ein Fehlen historischen Wissens und die Weigerung einer historisch-kritischen Auseinandersetzung mit religiösen Fragen. Dies scheint aber der Identifikation mit dem Islam als identitätsstiftender Zugehörigkeit keinen Abbruch zu tun. Dabei finden sich alle Facetten des Islam von liberal bis salafistisch (in geringerem Maß) wieder. Auch von Missionierungsversuchen wird berichtet. Insgesamt findet sich aber in allen Rückläufen eine durchweg positive Würdigung der Begegnung mit Muslimen im Religionsunterricht als einer Lernchance, bei der miteinander und nicht übereinander geredet wird.

 

Handlungsbedarf wird sowohl in der Ausweitung des Religionsunterrichts auf die Mindeststundenzahl gesehen, oder wie an anderer Stelle formuliert: Mehr Bildung tut not! Auch eine größere Wertschätzung der Arbeit, die doch eine grundlegende religiöse Alphabetisierung leistet, sowie intensiverer Erfahrungsaustauch mit Kollegen wir als Unterstützung gewünscht. Hilfreich wäre eine bessere Kommunikation und Kooperation mit den islamischen Akteuren, sowohl an Schulen, als auch bei den Verbänden.

Anregung für die Weiterarbeit wird insbesondere auf die geplante Pfarrstellenreduzierung an Berufskollegs bezogen: Wie ist eine Zukunft des RU denkbar, wenn die Zahl der refinanzierten Stellen so drastisch reduziert wird? Hier wird auch eine Verbindung zur – unterstützenswerten – Forderung nach Ausweiten des islamischen Religionsunterrichts hergestellt. Heißt es für die Zukunft, dass christliche Schülerinnen und Schüler dann einen islamischen RU besuchen werden? Hier wird auch die Frage gestellt, wie solch ein islamischer RU für alle vorstellbar ist und ob es überhaupt denkbar ist, dass dann noch konfessioneller Unterricht gefordert werden kann, ohne dass Kirche das dafür notwendige Personal stellt. Vielmehr sind kirchliche Konzepte nötig, wie junge Menschen in diesem wichtigen Lebensabschnitt begleitet werden können.

Zustimmung erfährt die Arbeitshilfe in ihrer Ermutigung zum Dialog, der ausgestreckten Hand, dem Ansatz einer gemeinsamen Gestaltung der gegenseitigen Gesellschaft, der von Toleranz und Respekt getragen ist. Der Diskussionsprozess um ein gelingendes Zusammenleben von Christen und Muslimen wird als wichtig und nötig angesehen.  Es wird auf den Begriff der Konvivenz, der Lern-, Hilfs- und Festgemeinschaft positiv Bezug genommen, aber auch auf eine Gesprächshaltung der Demut.

Als zu optimistisch wird die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts als Chance für evangelische Schülerinnen und Schüler gesehen. Auch jetzt schon fehlt oft die Unterstützung von Schulleitung für konfessionellen RU, zudem die Bekenntnisbindung evangelischer Schülerinnen und Schülern kaum noch vorhanden bzw. erkennbar ist.  Auch müssten dann weiterhin die Möglichkeiten eines interreligiösen Lernens bestehen bleiben, wie dies jetzt in einem gemeinsamen Unterricht gegeben ist.

Es wird allerdings auch eine stärkere Betonung der eigenen christlichen Identität und mehr Selbstbewusstsein vermisst, die Formulierung eines Standpunktes, die im Dialog wichtig ist um erkennbar zu sein. Auch eine theologische Klärung, ob die Beziehung zu Gott ein ausdrückliches Bekenntnis zu Christus voraussetzt, müsste konkreter und pointierter ausgeführt werden.

 

Das Votum einer Schulpfarrerin eines Kölner Gymnasiums teilt positive Erfahrungen, der Kommunikation und Begegnung, berichtete aber auch von zunehmenden Problemen, Frauen als Respektpersonen zu akzeptieren wie auch einem vermehrten Tragen des Kopftuchs. Sie berichtet ferner von wachsenden Konflikten unter verschiedenen muslimischen Gruppen.

Bedarf nach umfassendem, umfangreichem Informationsmaterial und Referenten, die man einladen kann, wird angemeldet. Auch wird die Sorge geäußert, dass unser eigenes Profil zunehmend unklarer wird, während der Islam sich immer stärker positioniert.

 

5.4. Evangelische Jugend im Rheinland

Die Delegiertenkonferenz der Ev. Jugend im Rheinland hat sich im November 2016 mit der Arbeitshilfe beschäftigt. Die Rückmeldung wird laut Anschreiben als ein konsensfähiges Meinungsbild betrachtet. Die stichwortartig genannten Einschätzungen und Erfahrungen unterscheiden sich nicht wesentlich von anderen Rückläufen. In Bezug auf die Jugendarbeit werden als Probleme angesehen, wenn es nur noch Maßnahmen für evangelische Teilnehmende gibt und aufgrund fehlender Mittel in Gemeinden notwendige Stellen im Jugendbereich nicht besetzt werden, gerade in der offenen Arbeit. Positive Beispiele aus dem Jugendbereich sind z.B. interkulturelle Juleica, Kooperation mit der Alevitischen Jugend, die Öffnung des Konficups oder interreligiöse Fußballturniere. Es wird angeregt, die interkulturelle Öffnung der Kirchengemeinden weiterzuentwickeln. Die Arbeitshilfe sollte um das Arbeitsfeld Jugendarbeit und insgesamt um mehr Praxisbeispielen ergänzt werden, theologische Fragen könnten in einem Anhang behandelt werden. Fort- und Weiterbildungsangebote in diesem Feld sollte es auf jeder Ebene geben.  Die Delegiertenkonferenz spricht sich ebenso dafür aus, dass sich die Kirche für eine rechtliche Gleichstellung der Muslime einsetzt.

 

5.5. GMÖ-Konvent (46)[3]

Der GMÖ-Konvent begrüßt die Arbeitshilfe, weil es in der heutigen Zeit wichtig ist, dass die Kirche das interreligiöse Miteinander fördert. Religiöse Pluralität ist eine Gestaltungsaufgabe, wobei die Wahrnehmung des Kontextes eine wichtige Voraussetzung ist.

Das Bild der Weggemeinschaft und der Bezug auf biblische Bilder, die praktische Ausrichtung und die theologische Grundlegung sind hierfür gut geeignet. Der Konvent unterstützt die Bemühungen um eine rechtliche Gleichstellung  der Muslime.

Für die Weiterarbeit gibt der Konvent der GMÖ Anregungen für die Auseinandersetzung mit dem Missionsbegriff. Grundsätzlich ist der Begriff der Mission unverzichtbar. Zwar hat die ambivalente Haltung der Arbeitshilfe nachvollziehbare Gründe, wie z.B. das alltagssprachliche Verständnis von Mission, vor allem aber die begründete Vorsicht: Geht es doch bei Mission um die Weitergabe von Leben, was in allen Kulturen einen tabuisierten Bereich darstelle. Es geschieht etwas, was nicht von Menschen machbar ist, was die christliche Tradition „ein göttliches Geheimnis“ nennen würde (Feldtkeller). Es ist allerdings im Horizont aktueller Diskussionen nicht angemessen, evangelikale und ökumenische Missionstheologie gegeneinander auszuspielen, wie dies in der Arbeitshilfe geschieht. Der Konvent plädiert für ein „ganzheitliches Missionsverständnis, das Zeugnis und ökumenisches Miteinander bereichert“. Hierfür können Erfahrungen der Partnerkirchen aus der Ökumene hilfreich und bereichernd sein.

 

GMÖ – Kuratorium westliches Ruhrgebiet (79)

Im Anschreiben der Rückmeldung regt das Kuratorium an, die Aufgabe des interreligiösen Dialogs in die Kirchenordnung mit aufzunehmen. Es schließt sich darüber hinaus einstimmig dem Votum des GMÖ-Konvents (s.o,) an und führt Punkte aus der Diskussion auf.

 

5.6. Lutherischer Konvent (14)[4]

Der lutherische Konvent äußert sich kritisch zum Missionsverständnis der Arbeitshilfe und kritisiert, dass das Evangelium von Jesus Christus ausgeklammert, Gesetz und Evangelium vermischt werden. Die Bibel wird als Steinbruch verwendet. Gerade die Flüchtlingsbewegung eröffnet  nun die Stunde der Mission, eine Aufgabe, der sich die Freikirchen schon längst stellen und die nun auch Sache der rheinischen Kirche sein muss, will sie nicht zu einer gesellschaftlich marginalisierten Minderheit werden. Darüber hinaus ist der Islam, anders als das Judentum, mit dem Christentum nicht vereinbar.

 

  1. Stellungnahmen aus Ökumene, Theologie und von Einzelpersonen

6.1. Römisch-katholische Ökumene (32)

Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle zwei Rückmeldungen aus der römisch-katholischen Kirche, die ausgesprochen theologisch kundige und hilfreiche Hinweise geben (Werner Höbsch, Referent für interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln, Matthias Neff, Referent für Religions- und Weltanschauungsfragen Bischöfliches Generalvikariat Trier).

Neben der grundsätzlich positiven Würdigung des Ansatzes der Arbeitshilfe, der Beschreibung der gesellschaftlichen Situation und der Notwendigkeit des Dialogs in der religiös pluralen Welt und anders als in der EKD-Schrift „Klarheit und gute Nachbarschaft“ geht WuZ nicht missionarisch-polarisierend vor, sondern stellt die Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt.

Zum Zeugnisbegriff verweist Werner Höbsch[5] auf 1 Petr 3,15 f und betont, dass Weggefährten einander von dem, was sie bewegt und trägt, Zeugnis ablegen, aber als Juden, Christen und Muslime der Welt gegenüber ein Zeugnis des Glaubens in Wort und Tat schulden. Er versteht die Arbeitshilfe als eine Selbstvergewisserung, die sich an die eigene Gemeinschaft richtet. Es werden einige Kritikpunkte benannt und hilfreiche Hinweise des Weiterdenkens beschrieben.

Insbesondere die systematisch-theologischen Überlegungen werden kritisiert, weil sie die trinitarische Dimension außer Acht lassen. Dabei bietet gerade das „In Beziehung sein“ Gottes die tiefste Begründung für den Dialog. Gott selbst ist Dialog.

Das Spannungsverhältnis zwischen Dialog und Mission ist ein Feld der innerkirchlichen Debatte, da sich beide Aufträge aus dem Evangelium ergeben.  Sie sind allerdings zu unterscheiden, da Dialog nicht auf Konversion zielt. Wird Gott als die Liebe verstanden, ist auch seine Mission die Liebe. Die Kirche ist so als Verkünderin des Evangeliums der Liebe Subjekt von Mission. Werner Höbsch folgt nicht der Aussage, dass Evangelisation und persönliche Bekehrung der Missio Dei  entgegenstehen, auch will er Mt 28 nicht in erster Linie als innerkirchlichen Auftrag verstehen. In Bezug auf die Wahrheitsfrage unterstützt er die Aussage, dass die Unverfügbarkeit Gottes den Verzicht auf den absoluten Wahrheitsanspruch bedeute, weil er darin eine Absage an jede fundamentalistische Versuchung sieht. Er weist darauf hin, dass die Wahrheit im Dialog aber mehr ist und auch in der Weggemeinschaft ihren Ort hat, allerdings nicht als Kampfplatz, sondern als ein Geschenk, das erkannt und gelebt wird, ohne zum Besitz zu werden.

Darüber hinaus regt Werner Höbsch an, statt weit hergeholte Beispiele wie aus Indonesien Lernerfahrungen aus dem Dialog in unserem Kontext aufzunehmen. Ergänzen möchte er am Ende der Arbeitshilfe Überlegungen, die den Dialog des Handelns stärker machen.

 

Auch Matthias Neff[6] würdigt den Ansatz der Arbeitshilfe, der bezogen auf den aktuellen gesellschaftlichen Kontext wichtig und nötig ist. Er regt darüber hinaus an, den Dialogbegriff weiter zu fassen, als es in der Arbeitshilfe geschehen ist. So könnten weitere Formen des Dialogs und der Begegnung genannt werden, die über das Feld von gesellschaftlicher Integration und Inklusion hinausgehen.

Die Absage an eine Strategische Islammission scheint ihm der Anlass dafür, dass das Papier in erster Linie im Zusammenhang mit dem Verständnis des Missionsbefehls diskutiert wurde. Wenn klarer geworden wäre, was unter strategischer Islammission gemeint ist, wäre die Diskussion vermutlich anders verlaufen.

Was die Wahrheitsfrage betrifft, so betont Matthias Neff, dass der Eindruck entstehen kann, dass jede Weltanschauung, die für sich in Anspruch nimmt, Religion zu sein, unterschiedslos als Ausdruck von Gottes Heilsweg mit seiner Schöpfung gesehen werden muss. Hier hätten Kriterien benannt werden müssen, wie Unterscheidungen möglich und nötig sind.

Die Christologie betreffend hätten von christlicher Seite durchaus christologische Gesichtspunkte eine Rolle spielen können, ohne dass dadurch der verbindende Glaube an den einen Gott in Frage gestellt oder ein friedliches Miteinander gestört worden wäre.

 

6.2 Theologie und Einzelpersonen

6.2.1. Prof. Dr. Henning Wrogemann, KiHo Wuppertal/ Dr. Claudia Währisch-Oblau, VEM, April 2016[7]

Von den Stellungnahmen einzelner Personen aus Theologie und Ökumene sei besonders hervorgehoben die gemeinsame Stellungnahme von Prof. Dr. Wrogemann und Dr. Claudia Währisch-Oblau, die zwar  nicht offiziell als Rücklauf eingeschickt wurde, sondern in der Landeskirche und in sozialen Netzwerken verbreitet und vielfach diskutiert wurde. Zahlreiche Rückmeldungen aus Gemeinden und Kirchenkreisen beziehen sich auf diesen Beitrag.

 

Grundsätzlich wird das Anliegen einer Verständigung  über das Zusammenleben in einer religiös pluralen Gesellschaft unterstützt. Im Folgenden wird in neun Punkten die Arbeitshilfe scharf kritisiert.

Moniert wird eine völlig veraltete, negative Vorstellung von Mission und auch eine nur negative Sicht auf Mission in ihrer geschichtlichen Praxis. Der Zeugnisbegriff bleibt unklar und wird nicht gefüllt, es fehlt fast jegliche Christologie. Hiermit verlässt sie die Bekenntnisgrundlage der EKiR, ausgedrückt z.B. in Barmen V, und ignoriert den ökumenischen Konsens, wie er auf der Weltmissionskonferenz in San Antonio formuliert wurde.

Auch das Thema Bekehrung wird ausschließlich negativ gesehen. Dabei muss der Dialog das Thema Konversion und Bekehrung nicht ausklammen. Des Weiteren wird kritisiert, dass die Arbeitshilfe keinen Glaubensbegriff habe, individuelle Glaubenserfahrungen und Glaubensüberzeugungen spielen keine Rolle, biblische Glaubensvorstellungen scheinen den Autoren vollständig fremd zu sein.  Sie werden vielmehr mit dem Verdacht des Fundamentalismus belegt. Die Grundlagen des Dialogs werden vorrangig in sozialen und politischen Erfordernissen gesehen, auch hieraus erfolgt die Beurteilung biblischer Traditionen. Die Äußerungen zum Koran können verstanden werden als Gleichsetzung koranischer und biblischer Geltungsansprüche.

Im Verständnis des Missionsbefehls als primär nach innen gerichtet wird der Realität nicht Rechnung getragen, dass in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften mit dem Vorwurf der „Christianisierung“ christliche Minderheiten in ihrer Arbeit bedrängt und verfolgt werden. Eine negative Konnotierung des Missionsbegriffs spielt nur Hardlinern in die Hände und ist eine Kapitulation vor den Geltungsansprüchen konservativer und islamistischer Akteure. Schließlich wird in der Arbeitshilfe eine religionspluralistische Relativierung festgestellt, die sich an den Formulierungen festmacht, dass der Heilswille Gottes auch Menschen anderen Religionen gilt. Hierin sehen die Verfasser der Stellungnahme eine Infragestellung bzw. Aufgabe der zentralen Glaubensgrundlagen.

 

6.2.2 Weitere Stellungnahmen

Einige Stellungnahmen von Einzelpersonen (3) üben theologische Kritik an dem Missionsbegriff der Arbeitshilfe, insbesondere an dem Begriff der strategischen Islammission. .  In dem Text von Prof. Dr. Eibach, Ev. Fakultät Uni Bonn, finden sich die gängigen Topoi der kritischen Stimmen.[8]

 

 

Dr. Uwe Gerrens, Studienleiter der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf, setzt sich in seinem Beitrag u.a. mit dem Missionsbegriff und der häufig kritisierten Formulierung einer strategischen Islammission auseinander und geht auf die Diskussion des sog. Missionsbefehls in Mt 28 ein.[9]

 

 

  1. Fazit

Grundsätzlich ist zu fragen, wie repräsentativ die Ergebnisse sind, wenn von 730 Gemeinden nur 123 Rückmeldungen eingegangen sind, von 38 Kirchenkreisen nur sieben. Über die Motivation zu einer oder keiner Rückmeldung kann nur spekuliert werden. Hinzu kommt: Während 33 % der Kirchengemeinden der EKiR in Großstädten liegen und 35 % Prozent in einer ländlichen Region, stellt sich ein weiteres Missverhältnis dar, wenn 56 Rückmeldungen aus Großstädten und nur 19 von ländlichen Gemeinden kamen.

Es sollte also deutlich werden, dass die Positionen und Einblicke nur sehr begrenzt etwas über die EKiR als ganze aussagen, sondern nur etwas über denjenigen Ausschnitt der Landeskirche, der hier durch die Rückmeldungen repräsentiert ist. In den sehr disparaten Äußerungen zeigt sich auch die Vielfalt in der rheinischen Landeskirche, die großen Unterschiede in der Wahrnehmung von Muslimen sowie die unterschiedlichsten Erfahrungstiefen in der Begegnung mit muslimischen Menschen.

 

Erkennbar wird, wie sich unterschiedliche Kontexte in den Antworten widerspiegeln. Kann die Situation in einem Stadtteil wie Duisburg-Marxloh mit der in einer Kleinstadt wie Rheinbach oder einem Dorf im Bergischen Land verglichen werden? Doch nicht nur die Lage und die soziale Situation der Wohnbevölkerung spielen eine Rolle, kommt es doch auch in vergleichbaren Kontexten zu völlig konträren Positionierungen. Die unterschiedlichen Rückmeldungen werfen die Frage auf, wie bestimmte Phänomene wahrgenommen bzw. beurteilt werden. Mit welchem Vorverständnis, mit welcher Erwartung und mit welcher Haltung werden Erfahrungen gewertet? Welche theologische Positionierung folgt daraus? Oder auch umgekehrt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen theologischen Positionen und der Haltung, mit der Muslime betrachtet werden?

 

Es wäre zu einfach, eine vorschnelle regionale Zuordnung zu machen: Auch in ländlichen Regionen und Kleinstädten gibt es beeindruckende Beispiele der Begegnung und Kooperation, während es in Großstädten Gemeinden gibt, die keine Kontakte haben oder ihre muslimische Nachbarschaft mit Skepsis und Ablehnung betrachten.

Nicht unerheblich scheint auch die soziale Situation zu sein. Wo diese für die gesamte Wohnbevölkerung mehr oder weniger prekär ist, scheinen sich soziale Probleme sehr stark in die interreligiöse Konstellation zu mischen. Auch wenn das Bewusstsein vorhanden ist, dass viele Probleme eher etwas mit der sozialen Situation zu tun haben als mit der Religion, so wird die Alltagserfahrung doch von den muslimischen Menschen geprägt, die einem täglich begegnen. Gerade in solchen Stadtteilen scheint das allgemeine Gefühl abgehängt und allein gelassen zu werden, sei es von der Politik oder von der Landeskirche, auch in Kirchengemeinden vorhanden zu sein und wird zum Teil auch deutlich so formuliert.

[1] Die Einteilung der Auswertung entspricht der Definition des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, die sich an Einwohnerzahlen orientiert. Die EKiR-Statistik führt den Begriff „Ballungsrandgebiete“. Es war nicht zu ermitteln, ob diese Definition den mittelgroßen Städten entspricht.

 

[1] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/category/theologie-und-oekumene/

[2] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/stellungnahme-der-synode-des-evangelischen-kirchenkreises-duisburg/

[3] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/konvent-gemeindedienst-fuer-mission-und-oekumene-gmoe/

[4] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/lutherischer-konvent-im-rheinland-fruehjahrstagung-2017/

[5] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/werner-hoebsch-leider-des-referates-fuer-interreligioesen-dialog-des-erzbistums-koeln-refidi/

[6] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/matthias-neff-referent-fuer-religions%e2%80%90-und-weltanschauungsfragen-bischoefliches-generalvikariat-trier/

[7] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/claudia-waehrisch-oblau-leiterin-der-abteilung-evangelisation-der-vereinten-evangelischen-mission-und-henning-wrogemann-inhaber-des-lehrstuhls-fuer-missions-und-religionswissenschaft-und-oekumeni/

[8] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/prof-dr-ulrich-eibach-ev-theol-fakultaet-der-universitaet-bonn/

[9] http://www.diskussion-weggemeinschaft-und-zeugnis.ekir.de/uwe-gerrens-studienleiter-der-evangelischen-stadtakademie-duesseldorf/